Softwarepiraten – oder: Warum soll ich für Software zahlen?

In den letzten Wochen sind mir zwei markante Beispiele für die Unwilligkeit für Software zu zahlen aufgefallen.

Das jüngste Beispiel ist das eines Softwarepiraten (oder besser: normaler Dieb?), der ein Bundle mit Modern Warfare 2 für die Xbox360 verkaufen wollte, was zum Glück nicht gelungen ist. Privatermittler konnten ihn stellen.

Das etwas ältere Beispiel ist das von Tweetie 2 für das iPhone von Atebits. Die erste Version wurde für rund 2,39€ angeboten und nach einiger Zeit kam nun ein Update. Dieses grundlegend neu programmierte Stück Software bot man nicht über die Updatefunktion des AppStores an, sondern stellte es als neue App ein – d.h. auch Besitzer der Vorversion müssten nochmals 2,39€ zahlen.

Letzteres führte zu einem Aufschrei der Kunden. Wie konnte man sich anmaßen für ein reines Update nochmal 2,39€ zu verlangen, wo man doch bereits gezahlt hatte? Andere Entwickler hatten doch auch Updates gratis veröffentlicht. Dazu muss man wissen, das es im AppStore derzeit keine Möglichkeit gibt, für Updates von Bestandskunden z.B. einen geringeren Betrag zu fordern.

Hier muss man folgendes anmerken:
Das Update war kein reines Bugfix was noch ein/zwei Funktionen brachte, sondern schluckte vom Entwickler ganze 5 Monate Manpower (nachzulesen in den Tweets von atebits). Es wurde wohl grundlegend neu programmiert. Tweetie hält den “Apple Design Award 2009″ und bestimmte nach dem Release sogar die Trending Topics auf Twitter für mindestens einen Tag. Die komplette GUI wurde überarbeitet und m.E.n. neue Maßstäbe für Usability gesetzt. Es kamen viele neue Funktionen hinzu, neue Dienste wurden unterstützt und altes überarbeitet. Zudem kostet das neue Tweetie 2 nur 2,39€. Jeder Kaffee ist mittlerweile teurer… Für Kaffee zahlt man auch nicht einmal und geht am nächsten Tag nochmal hin und holt ihn sich gratis.

Auch der Diebstahl vor dem Release von MW2 hätte die Entwickler hart getroffen, wenn er nicht verhindert worden wäre. Trotzdem ist anzunehmen, dass sich noch mehr Leaks im Umlauf befinden. Wenn es einer geschafft hat, gibt es sicher noch mehr.

Was ist daran so schlimm, handelt es sich doch um Einzelfälle? Spiele und Software im Allgemeinen können kopiert und weiterverteilt werden. Während Musik und Filme durch öffentliche Ausstrahlung Geld einspielen können, ist dieser Vertriebskanal bei Software nicht erschlossen. Dies soll nicht heißen, dass ich Piraterie von Musik/Film gut heiße, jedoch ist dies ein anderer Fall. Auch hier sollte man den legalen Weg wählen. Keine Frage!

Seitdem in jedem Rechner DVD-Brenner stecken und es ein Klacks ist Software per Torrent o.ä. zu verbreiten, spürt man noch schlimmer als früher Unmut für etwas zu zahlen. Softwareentwickler sind nicht immer hochbezahlt. Gerade im Spielesektor werden viele direkt nach Erscheinen des Spiels entlassen. Wird Software raubkopiert/gestohlen, lohnt sich der Aufwand nicht noch etwas zu entwickeln. Es werden noch hartnäckigere Kopierschutzmechanismen erfunden, die den ehrlichen Kunden einschränken und dem Piraten nur ein müdes lächeln abgewinnen.

Das Argument man wolle die Software nur mal testen und würde sie dann kaufen, ist absoluter Quatsch. Keiner der Piraten wird dies nachträglich tun. Es gibt von fast allen Spielen Demos, man kann sich Spiele aus Videotheken leihen oder Spieletests lesen. Wer dennoch raubkopiert gehört entsprechend verfolgt und bestraft.

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